Kurzvita

Wolfgang Wick


 

geboren 1961, ist Grafik-Designer und Dozent für Gestaltung. Ausbildung als Buch- und Offsetdrucker. Zivildienst über Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Manchester (GB) und Berlin. Studium Visuelle Kommunikation an der Hochschule Pforzheim (Prof. Uwe Lohrer), am CalArts Institute Los Angeles (Jeff Keedy, Ed Fella) und an der Hochschule Basel (Wolfgang Weingart).

1990 Stipendium Schloss Solitude Stuttgart. 1991 Gründung der Werbeagentur Büro MAGENTA in Freiburg. 1991 - 1997 Lehraufträge für Typografie an der FH-Pforzheim und an der Merz Akademie Stuttgart.

Seit 2002 Dozent an der Freien Hochschule Freiburg und Mentor des Hochschulprojekts ZWIEBELFISCH - Magazin für Gestaltung. 2004 initiierte er das Teaching Designers Network.

Wolfgang Wick war eingeladener Sprecher auf vielen Designkonferenzen wie MIRACLE Moscow, TYPO Berlin, PROFILE Bremen, F2F Stuttgart, BAU TypoWeek Barcelona und Designforum Freiburg. Im September 2010 präsentiert er seinen Vortrag »Editorial Design aus Deutschland« beim Type Directors Club New York. Wolfgang Wick lebt und arbeitet in Freiburg.

Büro MAGENTA http://www.buero-magenta.de/



Ein Interview mit Wolfgang Wick



Redaktion: Wieso bist Du Grafik-Designer geworden?

 

W. W.: Ich habe als Kind gerne gezeichnet, am liebsten Comicfiguren wie Fix & Foxi, Goofy oder Daniel Düsentrieb. Damals wusste ich nicht, dass es den Beruf des Grafik-Designers gibt. Erst später sah ich zufällig im Fernsehen eine Dokumentation über Luigi Colani, der stromlinienförmige Autos und Flugzeuge gezeichnet hat. So etwas wollte ich auch machen. Allerdings habe ich zunächst auf Anraten meiner Mutter – wie mein Opa – eine Ausbildung zum Buch- und Offsetdrucker durchlaufen. Ich sollte einen ‘richtigen Handwerkerberuf’ erlernen. Erst später, nach meinem Zivildienst, habe ich Grafik-Design studiert.

 

Redaktion: Du hast selbst eine Werbeagentur. Wie kam es dazu?

 

W. W.: Ich wollte selbstständig arbeiten und mit den Auftraggebern über ihre Projekte sprechen. Zuerst habe ich zwei Jahre in einer Agentur für Pharmawerbung gearbeitet, die klassisch strukturiert war. Dort hatte ich keinen Kundenkontakt. Und ich betreute Produktlinien, die ich so nicht beworben hätte – zum Beispiel die aufwändige Gestaltung von Briefbeschwerern für Ärzte, um auf bestimmte Medikamente aufmerksam zu machen. Das nennt sich Werbung; aber ich wollte noch etwas anderes.

1991 habe ich mich zur Selbstständigkeit entschlossen und Büro MAGENTA gegründet. Damals war mir noch nicht klar, was da alles auf mich zu kommen würde. Inzwischen gibt es Büro MAGENTA schon seit vielen Jahren. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt im Bereich Kultur und Soziales. Und das gefällt mir! Der oftmals freundschaftliche Kontakt zu Kundinnen und Kunden und das Feedback von außen bestätigt mir, dass meine Gestaltung gebraucht und gesehen wird.

 

Redaktion: Eine Agentur macht viel Arbeit, wieso hast du noch eine Stelle als Dozent angenommen?

 

W. W.: Das Unterrichten macht mir Spaß. Ich setze mich gerne mit StudentInnen über aktuelle Designthemen auseinander. Eine Dozentenstelle war übrigens auch der Anfang meiner Selbstständigkeit: Nach meiner Abschlussprüfung in Pforzheim hat mich Prof. Uwe Lohrer angesprochen, ob ich einen Tag in der Woche Unterricht geben will. Ich sollte Typografie und Desktop Publishing unterrichten, denn durch ein Studienstipendium in Los Angeles hatte ich bereits Erfahrung mit Macintosh-Rechnern. Zudem hatte ich in Basel Typografie bei Wolfgang Weingart studiert. Und genau dieser Mix aus Tradition, Typografie und Technik sollte an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim ausgebaut werden – und ich konnte daran mitwirken! Das hat mich ermutigt und motiviert, auch als junger Designer selbstständig zu arbeiten. Ich wollte sehen, ob ich mit meinen Vorstellungen eigene Kunden gewinnen kann; die Dozentenstelle war in der Anfangszeit meine erste finanzielle Absicherung.

 

Redaktion: Du hast einen neuen Auftrag, aber keine Idee. Was machst du?

 

W. W.: Es passiert mir selten, dass mir nichts einfällt. Eigentlich fällt mir immer etwas ein, nur in der Umsetzung hapert es manchmal. Wenn ich ein typografisches Signet gestalten will und mir meine angelegte Buchstabenfolge langweilig erscheint, dann suche ich mir neue visuelle Anregungen. Ich schaue mir etwa aktuelle Fonts von »House Industries« an oder blättere in Designpublikationen wie ADBUSTERS, EYE oder NOVUM.

 

Redaktion: Du unterrichtest Editorial Design. Wie kam es dazu?

 

W. W.: 2002 wollten Studenten als Abschlussarbeit eine Zeitschrift produzieren und waren auf der Suche nach einem Mentor. Sie wurden von meinem Kollegen Uwe Wolsiffer an mich verwiesen, da ich mich mit Magazingestaltung – Editorial Design – gut auskenne. Es ging darum, ein Magazin zu gestalten, welches wir als Designer selbst kaufen würden. Vorbild war das kalifornische Typo-Magazin EMIGRÉ, und ich konnte Rudy VanderLans und Jeff Keedy, die ich aus meiner Studienzeit kannte, als Autoren gewinnen.

Es ist eine herausragende Abschlussarbeit entstanden. Der ZWIEBELFISCH war geboren.

Nach den ersten beiden Ausgaben habe ich dieses spannende Projekt in mein Unterrichtsmodell integriert. Denn Gestaltung und Produktion eines Magazins beinhaltet das, was auch später in der Werbung am wichtigsten ist: Kommunikation. Mein praxisorientiertes Semesterangebot Editorial Design bedeutet, ein Magazin auf hohem Niveau zu produzieren, in dem StudentInnen ihr gestalterisches Können zeigen und sich Kontakte und Referenzen in ihrem zukünftigen Arbeitsbereich schaffen.

 

Redaktion: Aus dem ZWIEBELFISCH-Netzwerk zu anderen Designern und Hochschulen entstand das »Teaching Designers Network«. Wie kam es dazu?

 

W. W.: Ich kam durch das Projekt ZWIEBELFISCH mit DesignerInnen aus unterschiedlichen Ländern in Kontakt, die zum Teil in vergleichbaren Positionen sind wie ich: Einen Tag als DozentIn an einer Hochschule, den Rest der Woche als DesignerIn in einer Agentur. Dadurch entstand die Idee, nicht nur einmalig bei einer Magazinproduktion zu kooperieren, sondern über das Netz als »Teaching Designers« gemeinsame Unterrichtsprojekte international auszuschreiben.

Im jährlichen Wechsel schlägt ein Mitglied unseres Netzwerks ein Design-Projekt vor (zum Beispiel eine Signetgestaltung), das von den beteiligten Hochschulen in den Lehrplan aufgenommen wird. In der Zeit von Januar bis August realisieren die StudentInnen das vorgeschlagene Projekt im Rahmen einer Semesterarbeit. Abschließend werden alle Arbeiten nach einer ausführlichen Präsentation in den jeweiligen Klassen auf der TDN-Website zur Diskussion gestellt. Dadurch haben Dozenten und Studenten vielfältige Kontaktmöglichkeiten und können die Entwürfe im Kontext ihrer unterschiedlichen Kulturen vergleichen.

 

Redaktion: Danke.

 

 

 

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